General Briefing Zürich
Fliegen in und um Zürich bedeutet, sich gründlich mit diversen Eigenheiten des Flugplatzes vertraut zu machen. Wie auf allen Flugplätzen findet man aber auch für Zürich nicht alle relevanten Informationen im VFR Manual. Aus diesem Grund sollen auf dieser Seite einige Faktoren erläutert werden, welche beim An- und Abflug in Zürich speziell beachtet werden müssen. Diese ergänzenden Informationen werden ohne Gewähr abgegeben und entbinden den Piloten nicht von der Pflicht, die offiziellen Publikationen zu studieren.
Viele VFR-Piloten haben grossen Respekt vor Zürich. Die einen fürchten sich vor der hektischen Tower-Frequenz, die andern fliegen einen grossen Bogen um Zürich wegen der komplexen Luftraumstruktur. Wer sich jedoch sorgfältig vorbereitet, wird sich in und um Zürich schnell zurecht finden. Die Verfahren sind standardisiert, die Flugverkehrsleiter hilfsbereit.
Der Flughafen Zürich-Kloten dient der MFGZ seit Jahrzehnten als Homebase. Dementsprechend sind Ein- und Ausflüge für die meisten Club-Piloten zur Routine geworden. Sie kennen die Besonderheiten im Detail und finden die Navigationspunkte auch bei marginalen Wetterbedingungen. Dennoch besteht auch bei der MFGZ konstanter Schulungsbedarf. Gerade jüngere Piloten brauchen Unterstützung in Sachen Radiotelefonie oder Verfahren. Diese Webseiten sollen internen und externen Piloten aufzeigen, welche Faktoren in und um Zürich besonders berücksichtigt werden müssen. Sie behandeln Eigenheiten von Zürich-Kloten, die in den existierenden Unterlagen vielleicht zu wenig auffallen oder detailliert beschrieben werden.
Wetter
Weil Zürich von einer grossräumigen CTR der Klassifikation D umgeben ist, müssen für Sichtflüge folgende Wetterminima gegeben sein: Sicht mindestens 5km und Hauptwolkenuntergrenze mindestens 1500ft AAL. Bedenken Sie aber, dass der Flughafen Zürich von Hügeln umgeben ist, so dass die MFGZ eine Hauptwolkenuntergrenzen von 2200ft AAL empfiehlt. Special VFR ist für Flächenflugzeuge nicht möglich. Dies führt dazu, dass an nebligen Herbsttagen der Flugplatz für VFR-Flüge erst ab 12h oder 13h geöffnet ist.
Slots, PPR
Alle Landungen und Starts sind in Zürich-Kloten koordinationspflichtig (PPR), d.h. auch Sichtflüge bekommen einen inbound Slot Block-on Zeit) und einen outbound Slot (Block Off Zeit). Diese Zeiten sind mit einer Toleranz von +/-15 Minuten einzuhalten, da die Flugsicherung den Abflug bzw. den Einflug in die CTR verweigern kann. In der VFR-Praxis bedeutet dies, dass man 15 Minuten vor der Slot-Zeit an einem der drei äusseren Meldepunkte (W, S oder E) sein sollte. Pro Tag steht nur eine begrenzte Anzahl von Slots zur Verfügung, welche seit November 2009 im AIP publiziert sind. Falls kein Slot mehr zur Verfügung steht, akzeptiert der Tower in Ausnahmesituationen, dass zwei Flugzeuge in Formation mit nur einem Slot ein- oder ausfliegen können. Dies benötigt jedoch eine vorgängige telefonische Koordination und ist im Allgemeinen nicht zu empfehlen.
In Ausnahmesituationen akzeptiert der Tower, dass zwei Flugzeuge in Formation mit nur einem Slot ein- oder ausfliegen können. Dies benötigt jedoch eine enge Koordination und ist im Allgemeinen nicht zu empfehlen.
Handling
Ebenfalls besteht seit Ende 2008 eine allgemeine Handlingpflicht. Dies bedeutet im Minimum, dass Passagiere und Crew von einem autorisierten Handling Agent von und zum Flugzeug begleitet werden müssen. Die MFGZ bietet diese Dienstleistung zu günstigen Konditionen an (siehe Handling). Externe Piloten müssen im Flugplan unter RMK/ den Handling-Agent sowie die Bodenzeit bekannt geben.
Flugsicherung
Wegen des hohen Verkehrsaufkommes in Zürich-Kloten sind sowohl Raum, als auch Zeit oftmals Mangelware. Im Umgang mit der ATC heisst dies konkret, dass folgende Regeln einzuhalten sind:
- Möglichst kurze und präzise Standardphraseologie verwenden. ATIS, Abflugort und Flugzeugtyp müssen beim ersten Aufruf nicht bekannt gegeben werden
- Erster Aufruf z.B. in Horgen, Frauenfeld oder über dem Hallwilersee erspart Stress an den äusseren Meldepunkten.
- Am Funk möglichst flexibel und kooperativ sein. Die ATC kann manchmal mit dem VFR Verkehr "jonglieren" und auch unkonventionelle Lösungen anbieten.
- Auf Anweisungen des Controllers SOFORT reagieren. In gewissen Situationen ist der TWR unter Umständen auf jede halbe Sekunde angewiesen.
- Sich jedoch nichts aufdrängen lassen, das man nicht einhalten kann ("unable to comply")
- Benutzen Sie die Pisten möglichst kurz. Für eine minimale "runway occupancy time" ist Ihnen der Flugverkehrsleiter sehr dankbar. Kreuzen und verlassen Sie die Pisten so schnell wie möglich.
- Kloten eignet sich nicht für Training. Verlassen Sie Zürich so schnell wie möglich, um auf anderen Plätzen power off approaches und dergleichen zu üben.
- Solide Englischkenntnisse schaden nicht bei der Kommunikation mit der Flugsicherung. Je flüssiger Sie sprechen, desto besser.
Luftraumstruktur
Studieren Sie die komplexe Luftraumstruktur Zürich genau und bereiten Sie Ihre Flüge diesbezüglich detailliert vor. Die Lufträume CTR 2, TMA 14 und 15 sind nur temporär aktiv und werden nur zu den DVO-Zeiten* benutzt (siehe AIP VFR GEN 1-5-1). Schenken Sie den Luftraumuntergrenzen grosse Beachtung.
An- und Abflugregime
Die Abwicklung der VFR-Flüge in Zürich sind vom jeweiligen An- bzw. Abflugregime für Instrumentenflugverkehr abhängig. Je nach Wetter, Tageszeit oder Verkehrsaufkommen wird der Verkehr nach einem von vier möglichen Regimes abgewickelt. Demnach ändern sich auch die Start- und Landepisten für die VFR-Flüge. Die untenstehende Tabelle veranschaulicht die 5 Hauptsituationen, aus denen 3 mögliche Regimes resultieren. Das aktuelle An- und Abflugregime ist so für den erfahrenen Piloten kalkulierbar. Wettersituationen sind meist absehbar. Das aktuelle Regime wird über das IFR Departure und VFR ATIS 129.0 bekanntgegeben und muss vor den An- und Abflug abgehört werden. Dabei ist der IFR Departure Runway auch die VFR-Start- und Landepiste. Der Tower kann einem VFR-Flugzeug aber auch spontan eine andere Piste zuteilen.
| {cellType=header;class=width-45}An- und Abflugregime | {cellType=header;class=width-45}VFR-Piste in Betrieb | {cellType=header;class=width-45}Situation | {cellType=header;class=width-45}Bemerkungen |
| 1) Standard | 28 | Tagsüber bei Wind bis ca. 10 KT aus allen Richtungen | Alternative Landepisten von W2 her oft Piste 34, von E2 her selten Piste 14 |
| 2) Bise | 10 | Tagsüber bei Bise (Ostwind) ab ca. 10 KT | Startpiste für Routen W/S oft Piste 16 ab Intersection E6 |
| 3) Spezielle Verfahren | 32 | Zu DVO-Zeiten* am Morgen, wenn der IFR-Verkehr i.d.R. auf die Piste 34 anfliegt | Routen W/S gesperrt. Von E2 her H1 Approach genau einhalten! |
| 32 | Zu DVO-Zeiten* am Abend, wenn der IFR-Verkehr i.d.R. auf die Piste 28 anfliegt | Von E2 her H1 Approach genau einhalten! | |
| 32 | Bei Westwind ab ca. 10 KT, wenn der IFR-Verkehr auf die Piste 28 anfliegt | Von E2 her H1 Approach genau einhalten! |
* DVO-Zeiten (LT)
Mo-Fr:
06:00 - 07:15
20:45 - 22:00
Sa/So und baden-württembergische Feiertage:
06:00 - 09:15
19:45 - 22:00
Gefahren
Zusätzlich zu den bereits beschriebenen Faktoren müssen in Zürich die folgenden Gefahren speziell beachtet werden:
- Jet blast: Beim Rollen kann man rasch in die Nähe von laufenden Jet-Triebwerken gelangen.Sicherheitsabstand zu Triebwerken mit Takeoff-Power: 300m am Boden und eine 3/4 NM beim Landen.
- Wake turbulence: Beim Starten (und Landen - in Zürich selten der Fall) nach grösseren Flugzeugen deren Flugweg meiden (z.B. mit Vx darüber bleiben).
- Rollverkehr: In Zürich sind auf dem Vorfeld auch viele Fahrzeuge unterwegs, daher auf die Strassen auf dem Apron achten. Kleinflugzeuge haben keine Knautschzone oder Airbags.
- Anflugwinkel: Durch die Grössendimensionen der Pisten ergeben sich Fehlbeurteilungen bezüglich des Anflugwinkels, ganz besonders bei Long Landings wie auf der Piste 14.







